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Die wilde Jagd in Wolittnick

Einstiges Gutshaus von Wolittnick

Einstiges Gutshaus von Wolittnick

In den dunklen Nächten, besonders in den „Zwölften“ zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, erlebten die Leute von Wolittnick, früher oftmals etwas Merkwürdiges. Sie hörten es in den Lüften brausen, heulen, stürmen und rauschen, daß jedes Lebewesen bebende Angst befiel. Das war die  wilde Jagd, die da oben einherritt. Man war dann froh, wenn man in der Stube sitzen konnte, und ließ den wilden Spuk vorübersausen. Der Wanderer aber, der zufällig um die Mitternacht unterwegs war, hörte ganz nahe das Wiehern, Laufen, Hornblasen, Bellen, Kreischen, Rasen und Jägergebrüll über seinem Haupte. Er mußte sich dann ganz ruhig verhalten und weitergehen, dann geschah ihm nichts.

Ein Bauer aber von Wolittnick, der sich der wilden Jagd mit Zurufen beigesellt hatte, mußte sterben. Ein anderer wieder, der auch auf diese Weise mitgejagt hatte, erhielt nach der Jagd einen halben Hasen zugeworfen. Zu Hause angekommen, warf er den halben Hasen unter den Tisch, und begab sich zur Nachtruhe. Am anderen Morgen gewahrte er zu seinem Entsetzen, das es ein halber toter Mensch war. Was war nun zu tun? Er eilte zu seinem Pfarrer und erzählte es ihm. Der Pfarrer riet ihm, bei der nächsten wilden Jagd wieder dabei zu sein, und zu rufen:“ Nehmt den alten Hasen wieder zurück, ich werde auch nie wieder zur Jagd kommen!“ Das tat er auch, und bei seiner Rückkehr war der halbe Leichnam verschwunden.

Quelle: Aus Sagen und Schwänke aus Natangen – von Horst Schulz, Verden (Aller) 1992.

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