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Der erschlagene Jude im Rauschnicker Grund

Ein Jude hatte einmal auf dem Pferdemarkt in Heiligenbeil viele Pferde günstig verkauft, und viel Geld dabei verdient. Tausend Taler oder noch mehr lagen in seiner Geldkatze, die er am Leib trug. Als er nun abends nach Hause ging, mußte er durch den Rauschnicker Grund . Hier war es dunkel, die Bäume rauschten, die Eulen schrien, der Wald schien ihm unendlich lang. Er bekam es mit der Angst zu tun,und sein Herz schlug so laut das er es hören konnte. Jeden Augenblick dachte er, das jetzt Räuber kommen könnten, und ihm etwas Schreckliches geschehen könnte. Plötzlich stürzten sich auch schon zwei Männer auf ihn, die ihm hier aufgelauert hatten, weil sie wußten, daß er vom Pferdemarkt kam, und sehr viel Geld bei sich hatte. Die beiden Räuber schlugen den armen Juden tot, raubten ihm sein Geld, und verscharrten ihn im Wald.

Aber der tote Jude kann keine Ruhe finden. Immer in der Geisterstunde erscheint er im Rauschnicker Grund, und fragt jeden vorüber gehenden Wanderer:“Wer hat mein Geld geraubt?“ Die angesprochenen stürzen dann in wilder Hast davon, denn sie wissen es ja auch nicht. Noch heute zeigt man im Rauschnicker Grund einen Stein, auf dem die Anfangsbuchstaben des erschlagenen Juden eingemeißelt sind.

Quelle: Aus Sagen und Schwänke aus Natangen – von Horst Schulz, Verden (Aller) 1992.

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