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Jugenderinnerungen an den Nußberg in Partheinen

Von Gerhard Bendrich

Das Gutshaus Partheinen in alter Zeit

Da ich meine Jugenderinnerung auf dem historischen interessanten Nußberg abspielte – möchte ich auf den Bericht – Das Majoratsgut Partheinen – vom Historiker und Heimatforscher Emil Johannes Guttzeit hinweisen. (Erstausgabe im Natanger Heimatkalender 1928)

Ob nun der Nußberg in Partheinen von den Prußen (Ureinwohner Ostpreußens) 1239 künstlich angelegt wurde oder nicht – er ist seit dieser Zeit bekannt und diente ab dem fünfzehnten Jahrhundert den Adelsfamilien und Gutsbesitzern als letzte Ruhestätte. Bepflanzt mit Weißbuchen – Eichen – Eschen – Ahorn – und ein paar Lindenbäumen. Jährlich war das Plateau mit Buschanemonen – Leberblümchen und Farnkraut reichlich übersät. So war der Nußberg für die Bewohner eine Oase der Ruhe und Erholung. Aber für uns Kinder der Spiel- und Tummelplatz Nummer eins. Die hier zur letzten Ruhe Gebetteten hatten sicherlich nichts dagegen. Außerdem waren die Gräber mit einem schmiedeeisernen Zaun umgeben – deren einzelne Sprossen sehr „spitz und pfeilförmig“ ausgeschmiedet waren.

Der Zufall wollte es, daß der Sturm eine alte Buche entwurzelte. Die Krone hatte sich in den anderen Bäumen verfangen – so daß der Stamm – im Winkel von 70 Grad – ausgerechnet am Zaun vom Friedhof liegenblieb. Natürlich wurde das Ereignis von uns Kindern sofort inspiziert und ausgewertet. Daß man einen Baum stehend besteigen konnte, so etwas gab’s nicht alle Tage. Ungewöhnlich war auch, daß sich die Mädchen an den – fast gefahrlosen – Kletterpartien beteiligten. Diese tatsache hatte uns wohl zu besonderen Leistungen veranlaßt. Einer von uns „Helden“ kam auf die Idee, am ersten Ast – etwa drei Meter hoch, aber parallel zum Boden verlaufend – eine Schaukel zu installieren. Die Idee war gut, und sie wurde gleich in die Tat umgesetzt. Wer nun die Wäscheleine dafür stibitzte (Stibitzen = Entwenden ohne Genehmigung), ist mir heute unbekannt. Junge, was war das für ein Gefühl! Schöner konnten die Künstler am Trapez nicht fliegen. So eine gute und weitausholende Schaukel hat es in Partheinen sicher noch nie gegeben. Da unsere Handwerkskunst zu der Zeit noch nicht auf dem neuesten Stand war, gab’s auch bald die ersten Probleme. Primitiv war die Leine um den Ast gebunden, so daß das Durchscheuern nicht lange auf sich warten ließ. Egal wir haben geschaukelt, geschaukelt und repariert, bis die Leine zu kurz wurde. „Schadt nuscht nich“, das viele Schaukeln und Krängeln (Krängeln = Drehen) war eben zu Ende. Aber nicht unsere Einfälle.

Auf der anderen Seite des Baumstammes war ein Ast – etwa 25 Zentimeter im Durchmesser – der uns regelrecht zum Springe eingeladen hat. daß wir dabei über den schmiedeeisernen Zaun mußten, machte die Sache nur noch interessanter. Bedenken gab’s nur wegen der Tiefe bzw. der Höhe der Tiefe. Zweieinhalb Meter abwärts – das war ganz schön kitzelig. Egal. was soll’s, der Boden war ja mit viel Laub bedeckt, was soll dabei schon passieren? Der Mutigste machte den Anfang – und nacheinander kamen wir so richtig in Schwung. „Gott sei Dank“ machten die Mädchen bei diesen Spielchen nicht mit. Aber Otto: Otto hatte – bedingt durch eine Kinderkrankheit – extrem ausgebildete X-Beine. Die Füße waren so stark nach innen gebogen, daß er beim Gehen einen Fuß über den anderen heben mußte. Sicher suche ich jetzt Erklärung für den folgenden Unfall. Eines ist mir völlig klar, jedem von uns hätte das Gleiche passieren können:

Otto sprang also das dritte oder vierte Mal. Er kam vom Ast nicht richtig ab und landete „sitzend auf dem beschriebenen Zaun“. Für die Zartbesaiteten möchte ich den schweren Unfall nicht beschreiben und es bei der Feststellung belassen. Partheiner Hausfrauen haben Otto aus der schwierigen Lage befreit und der Kutscher Freitag fuhr – mit Pferd und Wagen – auf dem schnellsten Wege zu dem elf Kilometer entfernten Heiligenbeil Krankenhaus. Auch ohne Tetanus hat Otto den schweren Unfall überlebt und war bald wieder zu Hause.

Ab sofort waren wir die liebsten – bravsten – folgsamsten und gehorsamsten Kinder, die es je gegeben hat.

Otto Stange geb. 1929. Er ist der letzte Partheiner, dessen Verbleiben ich bis heute nicht klären konnte. Bekannt ist – dass Otto bis Ende 1944 in Thomsdorf Kreis Heiligenbeil Ostpreußen, bei einem Bauern oder ähnliches beschäftigt war.

Wer kann hier weiterhelfen.

Quelle: Heimatblatt  der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil1990

1 Kommentar

  1. Malte von Glasow

    Guten Abend,

    Bei Interesse könnte ich Sie an die Nachfahren des parthein’schen Gutes vermitteln, da das Gut -meines Wissens- im Glasows’schen Familienbesitz war.

    Beste Grüße aus dem Westerwald Malte von Glasow

    Kontakt: maltevonglasow@web.de

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