Unvergessene Heimat

Von Claus-Christian Korell

In Heiligenbeil gab es am Marktplatz das Bekleidungsgeschäft Adolf Doepner. Dieser Adolf Doepner hatte drei Kinder: Luise, Charlotte und Ernst.

Wohnhaus der Familie Hugo Korell in Lank

Wohnhaus der Familie Hugo Korell in Lank

Luise, geb. 1903, heiratete den Gutsbesitzer Hugo Korell in Lank bei Bladiau. Dort wurde ich 1938 – d. h. in Königsberg – geboren und verbrachte noch einige wunderschöne Kindheitsjahre auf dem großen Gut mit all seinen Tieren.

Ich kam noch kurz in die Dorfschule, bevor es davon ging.

Eine erstaunliche Erinnerung habe ich auch heute noch aus dieser Zeit. Nie ver­gessen werde ich auch die Fahrten nach Heiligenbeil zum Geschäft in geschlossener Kutsche. Großvater Doepner habe ich leider nicht mehr kennen gelernt.

Das Geschäft wurde verwaltet von einem Herrn Görke, verblieb aber bis zum Ende im Besitz von A. Doepners Kindern Luise und Charlotte. Bruder Ernst verstarb als junger Mann.

Viel von Heiligenbeil verblieb nicht in meinem Kindskopf; daher war das Buch „Heiligenbeil in alten Ansichtskarten“ eine wahrhaft wunderbare Bereicherung für mich! Ich fühle mich jetzt durch ständiges Herumblättern darin wie zu Hause in Heiligenbeil. Und so schön zu sehen ist das Haus des Großvaters!

Mein anderer Großvater Friedrich Korell in Lank, den ich sehr mochte, verpasste mir zweimal verdiente Dresche. Einmal versuchte ich, einen Stock zwischen Treibriemen und Antriebsrad einer laufenden Maschine zu stecken. Der Stock landete vermittels Opas Hand auf meinem Hinterteil. Zügig! Ein andermal schlich ich an seinen Waffenschrank und versuchte, Bleikügelchen aus einer Schrotpatrone zu ge­winnen. Ich gewann nicht. Jede Art von Jagd mit dazugehöriger aufwendiger Pflege war fester Bestandteil des Gutes.

Ich sehe noch heute die vielen Jagdgäste im Winter auf ihren Pferdeschlitten in mächtigen, viel zu großen Pelzen.

Oma und Opa wohnten schon in der alten Dorfschule, die an unseren Garten grenzte und die für sie als Alterssitz angekauft worden war.

Wirtschaftsgebäude

In Lank – auf der unteren Seite der Dorfstraße und über den Bach hinauf – schlug der Dorfschmied Kuz auf den Amboß. So oft ich konnte, war ich dort zugegen und durfte auch mal den Blasebalg bedienen. Unsere Pferde wurden dort beschlagen. Waren das schöne Stunden für einen kleinen Jungen! Mein Vater hat sehr viel foto­grafiert und die Fotoalben wurden bei der Flucht gerettet samt einem alten Wilhelm-Busch-Album, das meine Mutter liebte.

Bilder vom Ort Lank selbst habe ich leider keine. Ich würde mich freuen, welche zu bekommen von irgendwoher.

Nach Kriegsende und während unzähliger Umzüge verfasste meine geliebte Mutter in all ihrer Wehmut Gedichte, die sich meist auf die verlorene Heimat bezo­gen. Ihre Bescheidenheit verhinderte jede Veröffentlichung. Ich füge hier eines bei. Zutiefst bedauere ich, daß meine Mutter die alten Ansichtskarten von Heiligenbeil nicht mehr zu Gesicht bekam.

 

„Ein eisgrauer Bauer im Lodenrock, die Hand gestützt auf den Knotenstock, steht irgendwo wartend am Wegesrand, seine Blicke ruhen auf fremdem Land.

Im Feld zieht ein Pflüger die Furchen mit Ruh, der alte Landmann sieht schweigend zu. Und als das Gespann vorüber schritt, da gehen die Augen des Greises mit.

Um seinen Mund liegt ein harter Zug, so lag einst auch seine Hand am Pflug. So sah auch er im fernen Preußen die Sonne auf die Pflugschar gleißen.

So warn auch die Geschirre straff im leichten Wind vom nahen Haff, gespannt von seinen treuen Pferden, die nie von ihm vergessen werden.

Der Alte schaut lange noch über das Feld.

Er träumt nicht von Reichtum,

er denkt nicht an Geld.

Seine Augen in endloser Ferne sehn

auf den Feldern der Heimat nur Disteln stehn.“

Luise Korell geb. Doepner 1980

 

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