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Die Schule in Jarft, Gemeinde Kl. Rödersdorf. Schülererinnerungen

Christian Unterberger, Kl. Rödersdorf

Die Familie v. Kalkstein hatte ihr Gut in Jarft 1928 verkauft.

labrenzNach der Aufsiedlung des Geländes und dem Zuzug neuer Siedlerfamilien wuchs die Zahl der Schüler in der kleinen Volksschule erheblich. Durch diesen Umstand bedingt – und zur Verkürzung des Schulweges von über 8 km nach Gr. Rödersdorf – wurde durch Amts- und Gemeindevorsteher Franz Unter­berger der Schulneubau auf dem Gelände des Restgutes beantragt, genehmigt und durchgeführt. Dies geschah zeitgleich mit dem Bau der neuen, kleinen Siedlungshöfe mit ca. 20 ha Land.

Das zur Schule gehörende Land betrug 1 ha. Im Hauptgebäude der Schule wurden eingerichtet: Großer Klassenraum für 30-40 Kinder, eine geräumige Lehrerwohnung (Lehrer Otto Patzerat), mit Stall mit Heuboden für eine Kuh, Schweine, für Hühner. Zum Haus gehörte ein großer Garten dazu der Schulhof und der Sportplatz. 1930 besuchten ca. 25 – 30 Schüler die Schule in 3 Unter­richtsstufen und ein Lehrer. Frau Patzerat unterwies die Mädchen in Hand­arbeit, Hauswirtschaft, während wir Jungen Sport hatten. Während 2 Stufen schriftlich arbeiten, auswendig lernen übten, wurde die 1. Stufe unterrichtet. Eine schwierige Aufgabe für den Schulmeister, der als Respektsperson von den Jungen geachtet und gefürchtet war. Der Stock wurde nicht selten eingesetzt! Die dafür verwendeten Haselruten mußten im Jarfttal von den Schülern selbst geschnitten, geschält und ständig erneuert werden. Wenn die Ruten jedoch hinter dem Ofen trockneten, dann zerbrachen sie schnell, und die Schläge waren weniger schmerz­haft. Als Eintragung stand danach im Klassenbuch: „Zur Ordnung gerufen“! Viele Mütter mußten Feldarbeit verrichten, mußten Geld dazuverdienen!

Zur Unterstützung bei der Feldarbeit wurden Schüler eingesetzt. Rüben verziehen, Unkraut jäten, hacken, helfen bei der Ernte, im Herbst Kartoffel lesen. Auch auf dem Acker, im Garten und im Stall des Lehrers waren oft die Jungen tätig, meistens die, die nicht gut lesen und schreiben konnten, dafür jedoch diese praktischen Arbeiten zuverlässig leisteten. Natürlich waren die Hühnereier, die heimlich ausgetrunken wurden, ein redlicher Lohn! Natürlich nicht zur Freude von Frau Pazerat, der Ehefrau des Lehrers. Ihr fehlten die Eier beim Frühstück.

An Wandertagen durchs das Jarfttal wurden Pflanzen bestimmt, auch Kleintie­re, im Ranzen Kaffeeflasche, Butter, Schmalz und Brot mitgeführt. Als besondere Belohnung gab es Ausflüge. Ein geschmückter Leiterwagen, vierspännig, im leichten Trapp, zu dem Lateinerberg oder zum Frischen Haff oder manchmal ins Waldbald Zinten. Später wurde der Leiterwagen durch Schlepper und Gum­miwagen ersetzt. Auf diesen Fahrten wurde viel gesungen. Ein Musikinstrument war immer dabei. Dabei lernten wir viele Lieder. Hausaufgaben machten die Be­gabten – die Fleißigen – die Stubenhocker. Die anderen Schüler hatten vielfältige Arbeiten für die Eltern zu verrichten – im großen Stall, auch Holz hacken – und Wasser holen – das Vesperbrot aufs Feld bringen. Viele Schüler hielten ihre eige­nen Kaninchen, dazu mußte aus den Straßengraben das Futter geholt werden.

Erlebnisreich war immer der Nachhauseweg durch das Jarfttal. Achtung: Seidelbast giftig – Leberblümchen mitbringen! Im Sommer: das Fische- und Krebsefangen, im Winter Eisschollen abtreiben und schwimmen lassen.

Die Folge war dann das verspätete Mittagessen in der Küche. Unsere Mamsel hat dafür jedoch Verständnis gezeigt. Leider nicht die Erzieherin, auch nicht die Haustöchter, die auf Anweisung der Eltern auf Ordnung zu achten hatten.

Mir wurden immer Hausaufgaben gestellt. Statt der Schiefertafel mußte ich mit zehn Jahren in mein Heft schreiben, zur Kontrolle, aber auch als Vorbereitung für den zukünftigen Besuch des Gymnasiums in Königsberg. Die Verbindung zu den Schulkameraden der Volksschule bis zur Einsegnung war mir sehr wichtig. Sie erfolgte nur an den kurzen Wochenenden und den Ferien!

1941 kam ich in das Internat Klosterschule Rossleben, Seit der Zeit wurde -auch kriegsbedingt – der Abstand zu den Freunden immer größer!

Meine Dorfschule und der Kontakt zu den ehemaligen Schülern blieb für mich eine feste Bindung über Jahrzehnte, später auch nach der Vertreibung. Als 1934/35 die Reichsregierung die alten Farben Schwarz-Weiß-Rot für unsere Fahnen anordnete und Schwarz-Rot-Gold ablöste, da erbat der Bürgermeister die Schulfahne, um die Änderung durchzuführen.

Gold abtrennen und weiß neu einnähen mit der Maschine. Dieses machte meine Mutter persönlich. Zusammen mit dem gelben Stoff brachte ich die neue Fahne zum Lehrer. Auf meine Nachfrage bekam ich zur Antwort: Es bleibt eine Ge­meindesache, auch gibt es in der Schule eine Verwendung für den „gelben Stoff“ bei der Handarbeitslehre. Nützlich auch zum Abwischen der Schultafel!

Quelle: Heimatblatt der Kreisgemeinschaft Heiligenbeil Folge 49

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