Der große Treck

Treck

Aus einst stillen- tiefen Wäldern

ängstlich flieht der Elche Schar,

über tiefverschneite Felder.

nicht vertraut, wie einst es war.

 

In der Ferne höllisch Grollen.

Himmelleuchten rot wie Glut.

Stählern Ungetüme rollen –

Lodernd im Fanal das Gut.

 

Im Geäst von uralt Eiche

raunt der Wind uns rauschend zu:

„Volk der Preußen ihr müsst weichen,

sonst habt bald die ewig Ruh”

 

Angespannt die vielen Rosse,

Zügel lagen am Geschirr.

Festgezurrt der Lasten Trosse –

Ungewohnt für Mensch und Tier.

 

Und so zogen sie von dannen,

endlos schier der Wagen Spur.

Pferdeschlitten und Gespanne –

Wohin Schicksal treibst du nur.

 

Und der Tod war ihr Begleiter,

fragt nicht lang wessen Geschick.

Schwingt die Sense fleißig weiter –

Dem einen Qual, mit starren Blick.

 

Junge Mütter – Leben schenkend,

durch Geburt der Leibesfrucht.

Doch hierbei, es ist bedenkend –

Ihr Leben gaben – auf der Flucht.

 

Legten sie alsbald danieder,

irgendwo am Wegesrand.

Sangen keine christlich‘ Lieder –

Denn die Zeit war fortgerannt.

 

Bald umstellt von Reußenrecken,

schien der Flucht ein End‘ gebracht.

Doch die Kund‘ der Greuelschrecken –

hat neu den Weg jetzt ausgemacht.

 

An des „Frischen Haffes“ Stätte

spiegelt, sich der Abendschein.

Quer, über des Eises Glätte –

Musste jetzt der Fluchtweg sein.

 

Und der Treck zieht langsam weiter,

gläubig wider aller Pein.

Hunger, Krankheit die Begleiter –

Und der Tod schritt hinterdrein.

 

Jäh, von großen metallnen Schwingen,

fällt herab die tödlich‘ Last.

Immerzu Verderben bringend,

ihre List kennt keine Rast.

 

Pferde wiehern, Menschen schreien:

„Gott steh uns bei in der Not,

die gequälte Seel’befreien“!

Doch das Eis verfärbt sich rot.

 

In des gebrochenen Eises Schlund,

mit Mensch, Getier und Wagen,

zog es sie auf des Meeres Grund –

sie mussten es ertragen.

 

Gunter Heßler

Gewidmet seiner Frau Elisabeth geb. Beek aus Gr. Hasselberg

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