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Erinnerungen an mein Heimatdorf Bladiau

Von der Jahrhundertwende bis zur Vertreibung 1945

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Willy Wiechert

Von Willy Wiechert

Das Kirch- und Bauerndorf Bladiau ist im 14. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden gegründet worden. Die an dem massigen und trutzigen Kirchturm befestigten schmiedeeisernen Jahreszahlen 1399 1899 waren in einer Zeit angebracht worden, als man die Geschichte Bladiaus noch nicht genauer erforscht hatte. Heute wissen wir, dass Bladiau zu den ältesten Dörfern des Kreises gehört und im Jahre 1337 vorhanden gewesen sein muss.

 

Kirche und Friedhöfe

bladiau_3Die geräumige, reich und kostbar ausgestattete Kirche stand erhöht in der Mitte des Dorfes und hatte ein schönes Glockengeläut. Während des Krieges mussten zwei Glocken abgeliefert werden.

Um die Kirche herum breitete sich der Kirchhof aus, er war von einer Mauer umzogen. An ihrer Nordwestseite wurde 1925 ein gewaltiger Findling als Heldengedenkstein mit der Aufschrift „DIE HEIMAT DEN bladiau1HELDEN 1914-1918“ aufgerichtet und gleichzeitig mit der Gedenktafel in der Kirche anfangs Oktober eingeweiht. Die Weiherede am Stein hielt Graf Eulenburg-Wicken im Beisein fast aller Kirchspielsbewohner und auswärtiger Stahlhelm- und Jungstahlhelmgruppen wie der Stahlhelmgruppe Bladiau und des Bladiauer Kriegervereins.

Da der alte Kirchhof mit seinen vielen Erbbegräbnissen nicht mehr ausreichte, wurde in neuerer Zeit an der Heiligenbeiler Straße ein neuer Friedhof angelegt. Dort sollen auch viele 1709/10 an der Pest gestorbene Einwohner begraben worden sein. Dieser Friedhof reichte bald auch nicht mehr aus, so dass lange vor dem Ersten Weltkriege auf dem Pfarrgelände an der Rödersdorfer Straße ein großer Friedhof eingerichtet wurde. Außerhalb des Dorfes, da wo der Weg nach dem Torfbruch abging, hatte die Baptistengemeinde Bladiau einen eigenen Friedhof.

Die Bauern

Bladiau war ein Angerdorf; der Anger gehörte zum größten Teil der Gemeinde. Alle Bauernhöfe lagen mit wenigen Ausnahmen (Hermann Wiechert und Deutschkämer) an den Dorfstraßen. Ihre Ländereien zogen sich strahlenförmig vom Gehöft aus in die Gemarkung. Bis zur Vertreibung waren die Höfe im Dorfe besetzt mit den Bauern: Fritz Schlenger, Fritz Bahr, Kurt Schirmacher (vorher Christoph Wiechert, Reinhold Drews, Schlobinski), Paul Skottke, Willy Wiechert, Albert Wenk, Gustav Laubrinus, Hermann Wiechert, Karl Potreck (vorher Franz Korn),

Oskar Heßke, Otto Banduhn (vorher Ferdinand Queiß; der Queißsche Hof war mit etwa 300 Morgen der größte im Dorfe gewesen, er wurde um 1900 aufgeteilt; den Rest übernahmen Gärtner Langhaus und Hasenpusch an der Lanker Straße), Franz Szengel (vorher Schaaf), Robert Hoffmann, Hugo Venohr (vorher Hermann Arndt). Waldemar Schiller (vor ihm Wilhelm Wiechert, beide ehemalige Pfarrhufenpächter), Karl Stinski (vorher „der Post“-Schlenger), Kurzbach, Kurt Criée, Hans Schimmelpfennig, Fritz Deutschkämer.

Auf den Abbauten wohnten die Bauern: Paul Unruh, Otto Schröder, Holweg, Otto Rudorff, Gustav Bohl, Fritz Klang, Oskar Hoffmann, Willy Kuhr, Artur Korell, Max Rohde, Emil Hasenpusch, Ferdinand Neumann, Gustav Mattern, Paul Preuß, Gustav Ewert, Otto Borbe, Wilhelm Ottenberg, Otto Babel, Wilhelm Wiechert, Hermann Drews, Alfred Drews, Herbert Preuß, Friedrich Müller.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden nördlich der Straße nach Lank, unweit des Dorfausganges an der Wegegabelung nach Heide Pottlitten, fünf Kleinsiedlungen, Doppelhäuser mit Gartenland. Sie waren Eigentum des Gubler, August Taschinski, Gustav Mareck I, Gustav Mareck II und Schmidtke. Später wurden auf dem Pfarrland unweit der Rödersdorfer Straße weitere 6 Kleinsiedlungen erbaut, zunächst der Gartenbaubetrieb von Gartenmeister Fritz Boy, danach die Siedlungen Otto Knoop, Friedrich Schulz, Fritz Kiesling, Gustav Taschinski, Stanislaus Lietsch.

Ursprünglich waren wohl alle Bauern- und Arbeiterhäuser des Dorfes in Fachwerk (Lehm mit Häcksel) erbaut und mit Stroh oder Haffrohr gedeckt. Bis zur Vertreibung waren sie fast alle bis auf ganz wenige Eigenkätner-Häuser (Tischler Artur Potreck, Fritz Botke und Karl Engel u. a.) verschwunden und durch neue, massive Bauten ersetzt worden. Das letzte Ecklaubenhaus stand bis zum Ersten Weltkrieg auf dem Bauernhof Schlobinski (später Reinhold Drews). Alle Straßen und Hofauffahrten waren gepflastert bzw. befestigt.

 

Handwerker und Geschäftsleute

Die Handwerker wohnten in der Dorflage verteilt. Es gab die Bäcker: Ernst Albrecht (vorher August und Willy Krebs), Ernst Marsch (Franz Pohl), Alfons Bischof, Glowienka (später in Ludwigsort);

die Fleischer: Paul Bergmann, Eugen Abschinski, Fritz Klang, Adolf Neumann;

die Schmiede: Fritz Böckel, Fritz Gehrke (Friedrich Domnick), Walter Schirmacher (Walter Korn), Packhäuser;

die Sattler: Fritz Stöpke, Oskar Samlowski, Oskar Schmidt und Paul Andree;

die Tischler: Bruno Hundertmark, Artur Potreck, Franz Bastian, Franz Völkner;

die Stellmacher: Fritz Färber, Otto (vorher Eduard) Radtke;

die Maurer: August Schröder, Hermann Bastian, Fritz Posnien;

die Schneider: Franz Hube, August Baginski, Hermann Korn;

die Schuhmacher: Paul Perband, Hugo Korn, Hermann Bahr;

die Zimmerer: Benno Holstein, Otto Rosenberg;

die Maler: Arthur Opfermann, Karl Kirstein;

den Frisör: Bruno Erdmann.

Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Bladiau auch einen Böttcher, Emil Birth, einen Töpfer Birth, einen Glaser Paschke.

Die meisten Kaufleute wohnten bei den Marktplätzen, auf denen noch nach der Jahrhundertwende in jedem Frühjahr und Herbst öffentliche Kram-, Pferde- und Viehmärkte abgehalten wurden. Sie wurden von den Bauern und Handwerkern Bladiaus und denen der Umgegend beschickt und immer gut besucht.

Am großen Marktplatz vor der Kirche lagen die Geschäftshäuser: Otto Krebs (vorher Hermann BlumenthaI), Gastwirtschaft, Saalbetrieb und Hotel, Kolonialwaren, Kohlen usw.; Rudolf Schülke (Wilhelm Grünheit), Gastwirtschaft und Kolonialwaren; Hermann Rudorff, Mehlhandlung und Kolonialwaren; Geschwister Pickert, Strickwaren; ferner eine Schlachterei; Paul Neubauer, Textilwaren.

Am kleinen Marktplatz: Ernst Kurzbach, Gastwirtschaft, Kolonialwaren, Kohlen, Eisen u. a.; Geschwister Neumann (August Neumann), Textil- und Kurzwaren, Bekleidung; Gustav Poluda (Joseph Selbiger), Textilien, Kurzwaren, Schuhe; Bruno Erdmann, Damen- und Herrenfrisör. Der 1896 gegründete Spar- und Darlehnskassenverein und die Raiffeisenkasse standen Sparern und Kreditnehmern zur Verfügung.

An der Rödersdorfer Straße lag die Molkerei-Genossenschaft (Verwalter: Heinrich Zingraff, nach ihm Paul Schipper und Karl Langenau); an der Heiligenbeiler Straße: An- und Verkaufsgenossenschaft, Nebenstelle Bladiau (Verwalter: Karl Schirmacher); Gerhard Reh, Lebensmittel und Spirituosen; Rudi Grunwald, Lebensmittel, und die Post. An der Waldstraße lag das Geschäft Helmut Pickert, Lebensmittel, Spirituosen, Kohlen.

 

Freie Berufe und Beamte

Bereits vor der Jahrhundertwende waren im Dorfe Ärzte ansässig, und zwar die praktischen Ärzte (nacheinander): Dr. Wachhausen, + 1929, Dr. Oltersdorff, Dr. Damitz; die Tierärzte: Dr. Albat, Dr. Fritz; zwei Dentisten: Thea Paeger, Gerhard Tietge (vorher Peter); eine Gemeindeschwester: Auguste Thimm (1901-1931, + Königsberg 1932), Anna Lorenscheit; eine Hebamme: Anna Stamm. Die Apotheke war nacheinander im Besitz von Meißner, Darge, Paul Rohrmoser. Die Gendarmerie-Posten waren besetzt mit Landjägermeister Hofer (bis etwa 1932), OLJM Fritz Ramsauer, während des Krieges mit Lange-Rehfeld.

Vertreten waren auch drei Reparaturwerkstätten: Rudi Hartmann, Otto Posnien, Bruno Fahlke; Tankstellen: Moeck, Kurzbach; ein Steinmetzbetrieb: Korinth-Hartmann. Die Aufsicht über alle Straßen hatte der Oberstraßenmeister Ernst Fischer, danach Grzesick.

Bladiau hatte zur Jahrhundertwende (1900) 1387 und im Jahre 1939 1217 Einwohner; seine Landfläche war 1900: 1283,3 ha (= 4418 Morgen), 1930: 1257,6 ha groß.

Im Jahre 1939 gab es in Bladiau 85 landwirtschaftliche Betriebe: 36 Betriebe, 0,5 ha bis unter 5 ha groß; 6 Betriebe, 5 bis unter 10 ha groß; 19 Betriebe, 10 bis unter 20 ha groß; 24 Betriebe, 20 bis unter 100 ha groß.

In der Landwirtschaft waren beschäftigt 397 Einwohner, in Industrie und Handwerk 424 Einwohner, in Handel und Verkehr 127 Einwohner. Nach der Stellung im Beruf waren 236 Selbstständige, 152 mithelfende Familienangehörige, 69 Beamte und Angestellte und 581 Arbeiter. Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister waren: Friedrich Wiechert (1894 bis 1906), Karl Hoffmann (1906-1918), Robert Hoffmann (1918-1933), Paul Skottke (1933-1945); Standesbeamte: Carl Küßner, Robert Hoffmann (1933-1945); Amtsvorsteher: Friedrich Wiechert (1904-1931), Willy Wiechert (1933-1945).

 

Die Schule,

die bis zur Ordenszeit zurückgeht, war vierklassig und in zwei Gebäuden neben der Kirche untergebracht. Seit 1939 diente ein großes neu erbautes Gebäude an der Rödersdorfer Straße den schulischen Zwecken. Schulleiter und Kantoren waren etwa 30 Jahre lang bis ca. 1925 Carl Küßner ,+ 1933 in Königsberg) und Gotthard Hülse bis 1945. Neben ihnen wirkten mehrere Lehrkräfte: Walter und Hans Küßner, E. J. Guttzeit, Schnalke, Emil Kant, Gerhard Smy, Marie Baumgart, Erwin Schaper u. a.

Die Pfarrstelle war besetzt mit den Pfarrern Carl Louis Winkler (1888 bis 1905), Paul Glage (1905-1934), Heinrich Geiger (1934-1945). Organist und Kantor waren die jeweiligen Schulleiter. Als Glöckner und Totengräber waren Ernst Bobeth (42 Jahre lang, er beging im Januar 1935 seinen 90. Geburtstag) und Oskar Pauls tätig. Jahrzehntelang bestanden in Bladiau eine freikirchliche Baptistengemeinde unter Prediger Packhäuser und eine Chrischona-Pilgermissions-Gemeinschaft unter Prediger Ernst Klein.

Kirche und Schule waren ein echtes Bindeglied zwischen den verschiedenen Ständen und Familien. Gern erinnere ich mich an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als sich die damaligen Lehrer, besonders der Kantor Carl Küßner und seine beiden Söhne Walter und Hans, in der Dorfgemeinschaft hervorragend bewährt haben. Wie schön war es, wenn die Schulfeste der Kinder nach einem Umzug durch das Dorf auf der Festwiese gefeiert wurden! Das ganze Dorf nahm an solchen Festen teil. Die Küßners hatten ein Trommler- und Pfeiferkorps gegründet. Dies machte mit der Ueckerschen Stadtkapelle Heiligenbeil Knüppelmusik. Bei anbrechender Dunkelheit ging es mit Lampions durchs Dorf nach dem Marktplatz, wo zu aller Freude ein Feuerwerk abgebrannt wurde. Eine Ansprache des Pfarrers beendete das Volksfest, und ein jeder ging befriedigt nach Hause.

 

Vereinsleben

Überhaupt fand das dörfliche Leben bei den gemeinsamen Festen seinen Höhepunkt. Die ehemaligen Soldaten waren stolz auf die Truppenteile, denen sie während ihrer Dienstzeit in Krieg und Frieden angehört hatten, und hielten die Tradition wach in dem 1882 gegründeten Kriegerverein. DieKameradschaft wurde gepflegt und fand ihren Ausdruck bei den Winter- und Sommerfesten, bei Begräbnissen, bei denen Feldzugsteilnehmer mit Musik und durch Ehrensalven verabschiedet wurden, sowie bei anderen Gelegenheiten. Vor dem Ersten Weltkrieg feierten die Vereine ihre Feste im Blumenthalschen Garten, wo später Speicher und Einfahrt standen.

Die sangesfreudigen Dorfbewohner hatten sich im Jahre 1880 zum Männergesangverein zusammengeschlossen oder waren Mitglied des von Carl Küßner gegründeten Kirchenchores, um das deutsche Lied oder geistliches Liedgut zu pflegen. Mehrfach wurden Konzerte veranstaltet, Dirigenten der beiden Chöre waren Böttcher Birth, Arzt Dr. Wachhausen, Kantor Küßner, Hauptlehrer Hülse, Lehrer Alfred Petter. Fast alle Sangesbrüder des Männergesangvereins nahmen an den Haffgausängerfesten teil und lernten dabei die Städte des Haffgaus und die Schönheit der heimatlichen Landschaften kennen. Ich erinnere mich besonders gern an die Fahrten nach Pr. Holland, an die Geneigte Ebene bei Buchwalde, nach Succase, Cadinen und nach der Elbinger Höhe.

Der älteste Verein in Bladiau war die Schützengilde, sie war aus der einstigen Bürger-Ressource hervorgegangen. Ihr gehörten ursprünglich nur alteingesessene Bürger, Bauern, Handwerker und Gewerbetreibende an. Zweck des Vereins war die Pflege der Geselligkeit.

Von 1893 bis in die dreißiger Jahre bestand ein Ev. Arbeiterverein, Vorsitzender war der jeweilige Pfarrer, 1933 feierte der Verein sein 40jähriges Bestehen.

Die kirchlichen Veranstaltungen fanden entweder in der ehrwürdigen Kirche oder im Gemeindehaus, die der Vereine im Sommer auf der Blumenthal-Krebsschen Wiese statt, wo früher Lauben und später gegen Witterungseinflüsse ein aus Holz erstellter Saal errichtet worden waren. Die Winterfeste wurden um die Jahrhundertwende oben im Saal bei Hermann Ruske, später bei BlumenthaI und Krebs gefeiert. Bei den im Winter stattfindenden Festen waren Theateraufführungen und nachfolgender Tanz sehr beliebt.

 

Die Feuerwehr

Bis 1900 bestand in Bladiau nur eine Pflichtfeuerwehr mit einer Handdruckspritze; jeder Haus- und Grundbesitzer war zum Löschdienst mit Feuereimern verpflichtet. Diese waren aus Leder gefertigt und bewährten sich im Winter bei Frost besonders gut; sie waren handlich und wasserdicht. Im Jahre 1900 gründeten Amtsvorsteher Friedrich Wiechert, Kaufmann BlumenthaI, Kürschnermeister Pickert und Apotheker Meißner nach dem großen Dorfbrand von 1899, der den östlichen Teil des Dorfes mit vielen Strohdachhäusern in Schutt und Asche gelegt hatte, eine Freiwillige Feuerwehr. Die ersten Brandmeister waren Hermann Blumenthal und August Pickert. Eine zweite Handdruckspritze und Wasserwagen mit Deckel wurden angeschafft. Vorher waren Schleifküwen, die bei schnellem Fahren das Wasser zum großen Teil verloren, verwendet worden. Drei Dorfteiche, deren Ufer mit Hilfe von Faschinen befestigt waren, sorgten für das nötige Löschwasser. Die Bauern waren bei Feuersgefahr zu Spanndiensten verpflichtet.

In alter Zeit wurden die Feuerlöschpflichtigen durch Schnarren vom Nachtwächter, bei größeren Bränden durch Glockenläuten vom Turm der Kirche alarmiert. Später erfolgte die Alarmierung durch Feuerhörner und Handsirenen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Feuerlöschwesen erneuert. Wehrführer und Hauptbrandmeister war Amtsvorsteher Willy Wiechert, stellvertretende Brandmeister waren Gerhard Reh und Hermann Rudorff. Die Feuerwehr erhielt 1929 eine 400-Liter-Motorspritze und 300 Meter Schläuche. Das Feuerwehrdepot wurde ausgebaut und ein Steigerturm errichtet. An den Bauarbeiten haben sich alle Feuerwehrkameraden beteiligt; es herrschte ein guter kameradschaftlicher Geist innerhalb der Wehr. Das 30jährige Bestehen der Bladiauer Feuerwehr wurde am 1. Juni 1930 bei dem Kreisfeuerwehrtag in Bladiau festlich begangen.

Die Kameraden H. Wiechert, Andree, O. Radtke erhielten das Erinnerungsabzeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen, und die Kameraden Birth und Stöpke wurden für ihre 30jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. Von der steten Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr des Kreises zeugten die alljährlich veranstalteten Kreisverbandstage, die jeweils in einem anderen Ort abgehalten wurden. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde ein gebrauchter Pkw angeschafft, um die Wehr schneller, beweglicher und einsatzbereiter zu machen. Auch erhielt die Bladiauer Wehr ein neues kombiniertes Feuerlöschfahrzeug mit eingebauter tragbarer F-8-Motorpumpe und ausziehbaren Drehsteigeleitern und Schlauchmaterial.

Vorausschauend wurde eine Jugendfeuerwehr aufgestellt. Viele junge und alte Kameraden haben ihren Einsatz für Heimat und Vaterland im Kriege mit ihrem Tode besiegelt. Da auch ältere Feuerwehrmänner zur Wehrmacht eingezogen waren, fiel es während des Krieges schwer, die Wehr stets einsatzbereit zu halten. Mehrfach ist sie zur Hilfeleistung bei Katastrophenfällen verpflichtet worden. Zweimal rückte die Bladiauer Wehr unter Führung des Brandmeisters Hermann Rudorff Ende August 1944 nach Königsberg aus, als die Provinzialhauptstadt von den Engländern bombardiert worden war. Unsere Wehr hat sich dort anerkanntermaßen bewährt.

Soweit mir bekannt, sind 50 der wehrpflichtigen Bladiauer Männer im letzten Kriege gefallen. Nach der Einnahme des Dorfes durch die Sowjetrussen kamen im Lager Lank mehr als 50 Männer, Frauen und Kinder allein aus Bladiau nach entsetzlichen Erlebnissen in großem Elend um; sie sind auf der neuen Begräbnisstätte hinter dem Hof Borbe-Lank beerdigt worden. Bei der heldenhaften Verteidigung Bladiaus durch unsere deutschen Truppen wurden fast alle Gebäude, auch die im Innern so schöne Kirche mit dem starken Turm zerstört. Nach Berichten von Einwohnern soll nur der Hof des WiIly Wiechert stehen gebIieben sein. Am 15. März 1945 drang der Russe in unser geliebtes Heimatdorf ein; es liegt auch heute noch im russisch besetzten Teil Ostpreußens.

Quelle: Heimatblatt des Kreises Heiligenbeil Folge 18 (1972)

1 Kommentar

  1. Ingo Thimm

    Hallo,
    weiß jemand etwas über die Gemeindeschwester Auguste Thimm?
    Das Geburtsdatum und ob sie ein Kind hatte?
    Vielen Dank für ihre Hilfe
    Ingo Thimm

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