Die Kirche von Bladiau

Die Kirche von Bladiau

Der Standort dieser Kirche ist im Mittelpunkt eines bereits in prußischer Zeit wichtigen Siedlungskerns gewählt worden . Ihr erster Bau dürfte um 1300 erfolgt sein; die Kirche bestand sicherlich schon im Jahre 1337. Das einschiffige Gotteshaus, das in mehreren Bauabschnitten ausgeführt worden ist, war mit einem mäßig eingezogenen Chor, einer nördlichen Sakristei und an der Südseite mit einer Vorhalle versehen. Der vorgelegte wuchtige Westturm ruht auf einem Untergeschoß mit mehr als 3 m dicken Mauern aus der Gründungszeit in der 1. Hälfte des 14. Jhs.; er ist als Wehrturm erbaut worden. Das in einer gotischen Blendennische eingefügte Portal wird von einem profilierten Rechteck umrahmt. Das erste Obergeschoß des Turms ist durch schmale Kuppelblenden gegliedert und stammt aus dem 15. Jh., während die niedrige Glockenstube und die Giebel des Turms in der zweiten Hälfte des 16. Jhs., vermutlich kurz nach 1575, errichtet worden sind. Der westliche Giebel hat sieben gerundete Staffeln, der östliche ist dreieckig und ungegliedert.

Zum ältesten Bauteil der Kirche gehören auch die mit Strebepfeilern besetzten Mauern des Kirchenschiffs; sie bestehen aus einem Mischmauerwerk von Ziegeln und Feldsteinen. Am ehemals freiliegenden Ostgiebel sind Reste von Blenden und bündigen Vorlagen zu erkennen. Um die Wende vom 14. zum 15. Jh. wurde der polygonale, eingezogene Chor in Backstein mit eigenem Dachstuhl ange­schoben und in der ersten Hälfte des 15. Jhs. die nördliche Sakristei unter einem Schleppdach mit Bandrippen eingewölbt. Die östliche Sakristei wurde 1789 ange­baut; die nördliche diente als Beinhaus, in neuerer Zeit als Bahrenkammer.

Die um 1700 mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament in typologischer Gegenüberstellung, grau in grau auf blauen Feldern gemalte Holz­decke ist mit untergelegten Rippen und Hängezapfen versehen und ahmt damit eine dreischiffige Wölbung nach. Das Innere der Kirche ist im 17. Jh. von Adels­familien des Kirchspiels reich ausgestattet worden. Der Altaraufsatz stammt von 1696, die Kanzel von 1697; die mit dem Wappen von Kreytzen geschmückte Kanzeltür gehört aber der Zeit um 1660 an. Die beiden Beichtstühle, ein Guts­stand im Chor und der von der Decke herabschwebende Taufengel sind um 1700 in der Werkstatt des Königsberger Bildhauers Isaac Riga entstanden. Das Gestühl des Gutes Partheinen ist um 1640 von dem Schnitzer der Waltersdorf er Kanzel angefertigt worden und mit schönen Intarsien geschmückt. Die Emporen sind mit Wappen der im Kirchspiel ansässigen Adelsfamilien geziert. Jedes Gut hatte sein eigenes Gestühl.

Neben dem Dachstuhl des Langhauses, dem Untergeschoß des Turmes und der alten Sakristei an der Nordseite besaß die Kirche nur noch ein weiteres mittel­alterliches Ausstattungsstück, und zwar im Innern die Kreuzigungsgruppe mit den Figuren der Maria und des Johannes aus Holz aus der Zeit um 1430. Sie ist um

1685 vom ehemaligen Triumphbalken entfernt und auf einer bemalten Bretter­tafel an der Westseite befestigt worden.

Die Rokoko-Orgel auf der aus der ersten Hälfte des 17. Jhs. errichteten Empore ist um 1780 erbaut worden.

Die Kirche von innen

Bladiau war schon in der Ordenszeit das größte ländliche Kirchspiel des Kreises. Der Pfarrer Slogot veranlaßte die Einrichtung einer Vikarie (2. Pfarr­stelle), die der Hochmeister Ulrich von Jungingen am 27. März 1401 ge­nehmigte. Die Kirche war der hl. Dorothea geweiht.

Außer dem Pf. Slogot (1401) sind Martin Kleine (1488), Jakob Plowitz (1502) und Albert (um 1502) aus katholischer Zeit bekannt. Der Vikar Johannes Prastel war von mindestens 1502 bis 1516 in Bladiau tätig, im letztgenannten Jahr über­nahm er eine Pfarre in Mehlsack.

Kirchenbücher: Die Taufbücher begannen 1734, die Trau- und Sterbe­register 1705; für die Adligen war das Taufbuch 1705-1815, das Trau- und Sterberegister 1705-1822 geführt worden. (Fotokopien in Leipzig.)

Quelle: „Der Kreis Heiligenbeil“, von Emil Johannes Guttzeit

 

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